|
Nachdem Audi LeMans und die Sportwagenserien ALMS sowie LMS in den vergangenen Jahren den Kundenteams überlassen hatte und sich bei den Werkseinsätzen auf die DTM beschränkt hatte, sollte es für 2006 wieder ein vollwertiges Werksprogramm für den Sportwagensektor geben. Doch nach sechs sehr erfolgreichen Jahren musste hierfür schon alleine wegen der Regeländerungen durch den ACO ein neues Auto entworfen werden.
Ende 2005 wurde dieses neue Sportgerät in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei wurde auch endlich offiziell, was bis dahin in den Gerüchteküchen der Sportwagenfans heiß gekocht wurde: Erstmals ging mit Audi ein Werksteam an der Sarthe mit einem Diesel an den Start. Eine Entscheidung, die nicht nur unter Fans heiß diskutiert wurde. Auch die Fahrer, so Frank Biela im Rahmen der Essen Motor Show gegenüber 1zu43.net, waren erst mal skeptisch. "Aber wenn man die Erfolge von Audi in der Vergangenheit in Erinnerung hat, dann war für uns aber auch eigentlich klar, dass man dieses Projekt gut durchdacht hat und es ein Erfolg werden wird".

Quelle & Copyright der Fotos: Audi AG
Eine Erwartungshaltung, die schon beim ersten Test des neuen Autos, den Frank Biela als dienstältester und erfolgreichster Audi-Werksfahrer durchführen durfte, bestätigt wurde: "Man hat sofort gespürt, dass in dem R10 die ganzen Erfahrungen mit dem R8 eingeflossen sind. Auch hat man sofort gemerkt, dass viele Verbesserungen eingeflossen sind, die wir schon im R8 gerne gehabt hätten, wo es aber ja schon länger keine Weiterentwicklung mehr gab." Die wichtigsten Unterschiede des R10 TDI zum R8, neben dem gewaltigen turbogeladenen V12 Diesel-Aggregat, sind beide durch eben dieses erzwungen worden: Ein verlängerter Radstand, um den längeren Motor unterzubringen, ein durch den schweren Motor verursachtes höheres Fahrzeuggewicht von 925 statt 900 Kg (durch einen seltsamen Zufall kam der ACO auch auf die Idee, das Mindestgewicht der LMP1-Klasse entsprechend zu erhöhen), breitere Vorderreifen zur besseren Gewichtsverteilung und die Einbeziehung des Chassis in die Aerodynamikarbeit, um Verkleidungsteile zu sparen und im engen Gewichtsfenster zu bleiben. Außerdem wurde das Fahrzeug mit einem zweiten Überrollbügel ausgestattet, um der vom Reglement inzwischen geforderten Symetrie des Autos nachzukommen.
Sein Debüt feierte der R10 nach ausgiebigen Testfahrten dann im Frühjahr 2006 in Sebring. Interessant war dabei für viele Fans die Fahreraufteilung, hatte Audi doch entschieden, das im R8 so erfolgreiche Trio Frank Biela / Emanuelle Pirro / Tom Kristensen auseinander zu nehmen. Statt Tom Kristensen ging Marco Werner zusammen mit Biela und Pirro auf Zeitenjagdt, Tom Kristensen fuhr an der Seite von Allan McNish und Rinaldo Capello. In der Qualifikation zeigte der R10 die erwartete Überlegenheit, doch im Rennen kam nur das Auto von Kristensen / McNish / Capello als Sieger ins Ziel. Das Schwesterauto wurde aus dem Rennen genommen, nachdem zu viel aufgesammelter Unrat vor dem Kühler zur Überhitzung des V12-Motors geführt hatte.

Quelle & Copyright der Fotos: Audi AG
Bis zum Saisonhöhepunkt in LeMans wurde der R10 nach Sebring planmäßig aus dem Renngeschehen zurückgezogen - aufgrund der knappen Anzahl von zur Verfügung stehenden Fahrzeugen und der relativ hohen Unfallrate in der ALMS wollte man den Start in LeMans nicht gefährden. Eine nicht ganz unbegründete Angst, zerstörte Allan McNish doch bei Testfahrten in Sebring kurz nach dem Rennen das Siegerauto. McNish und Capello fuhren daher die Rennen der ALMS bis LeMans mit dem R8, die Rennen danach wieder im R10. Erst nach LeMans durften dann auch Frank Biela und Emanuelle Pirro im R10 wieder mit ins Geschehen der amerikanischen Sportwagenserie eingreifen.
Der Saisonhöhepunkt in LeMans verlief vor allem für den Skandinavier im Audi Sportwagenteam deutlich anders als gewohnt: Tom Kristensen hatte dieses Mal das Glück zu Hause vergessen (oder hatte er sich einfach nur das falsche Auto ausgesucht?) und musste mehrmals für längere Reperaturpausen in die Box geschoben werden, während der R10 von Frank Biela, Emanuelle Pirro und Marco Werner weitgehend problemlos lief. Das Trio konnte so den geschichtsträchtigen ersten Sieg eines mit einem Dieselaggregat für sich verbuchen, während das Schwesterauto von Kristensen / McNish / Capello durch die langen Standzeiten lediglich auf Platz drei hinter dem Pescarolo-Judd ins Ziel kam.
Doch auch nach dem großen Erfolg gleich im Debütjahr bleibt viel Arbeit am R10 zu tun. Neben den Problemen mit der Zuverlässigkeit fehlte dem R10 in LeMans beispielsweise noch die Traktionskontrolle. "Ein System, das für uns Fahrer natürlich vor allem im Regen eine große Hilfe ist", so Frank Biela, "doch es gab bis heute noch nie eine Traktionskontrolle für einen so starken Motor, das ist natürlich eine ganz neue Herausforderung für die Techniker, für die in der Zeit seit dem Rollout einfach noch nicht genug Zeit war".


Daten des Modells:
| Hersteller: |
Minichamps |
| Erscheinungsjahr: |
2006 |
| Artikelnummer: |
400 031325 (Minichamps) 502.06.010.23 (Audi Collection) |
| Detailtreue / Verarbeitung: |
Das Modell ist von Minichamps sehr schön umgesetzt und perfekt verarbeitet. Lediglich die unterschiedliche Anzahl an Speichen in den Felgen vorne und hinten hat Minichamps im Gegensatz zu Spark nicht umgesetzt. Auch Bremsscheiben und Bremssättel sollten heute eigentlich an einem neu entwickelten Modell vorhanden sein. |


|
|